Spiritueller Impuls

Bewusstseins-Wellen

„Wenn Ihr Zazen (stilles Sitzen, JS) praktiziert, versucht nicht, Euer Denken zu unterdrücken. Lasst es von selbst aufhören. Wenn Euch etwas in den Sinn kommt, lasst es hereinkommen und lasst es hinausgehen. Es wird nicht lange bleiben. Wenn Ihr versucht, Euer Denken zu unterdrücken, bedeutet dies, dass Ihr von ihm gestört seid.

Lasst Euch von nichts stören. Es scheint Euch, als ob etwas außerhalb Eures Geistes auftreten würde, aber in Wirklichkeit sind es nur Wellen Eurer Gedanken, und wenn Ihr Euch von den Wellen nicht stören lasst, werden sie allmählich ruhiger und ruhiger. In fünf oder höchstens zehn Minuten seid Ihr vollständig ruhig. Dann ist Eure Atmung ganz langsam geworden, während Euer Puls etwas schneller schlägt.

Es wird eine recht lange Zeit brauchen, bis Ihr in Eurer Praxis Euren ruhigen, stillen Geist findet. Viele Empfindungen kommen, viele Gedanken oder Bilder entstehen, aber es sind nur Wellen Eures eigenen Geistes. Nichts kommt von außerhalb Eures Geistes.

Gewöhnlich meinen wir, unser Geist nehme Eindrücke und Erfahrungen von außen auf, aber dies ist nicht das wahre Verständnis unseres Geistes. Das wahre Verständnis ist, dass der Geist alles umfasst; wenn Ihr denkt, etwas würde von außen kommen, bedeutet dies nur, dass es in Eurem Bewusstsein erscheint. Nichts außerhalb Eurer selbst kann Euch Ängste verursachen. Ihr selbst macht die Wellen in Eurem Geist. Wenn Ihr Euren Geist lasst wie er ist, dann wird er ruhig. Diese wird großer Geist genannt.

Wenn Euer Geist mit etwas außerhalb seiner selbst verbunden ist, so ist dieser Geist ein kleiner, ein beschränkter Geist.“

Shunryu Suzuki: Zen-Geist, Anfänger-Geist. Unterweisungen in Meditation; Zürich 1983, S. 35f

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