Spiritueller Impuls

Warten in der Stille

(von Wolfgang Reuther)

Auf derselben Party … erklärte mir ein Gast, was eine Quäkerandacht sei: „Ich weiß, was die machen“, sagte er, „die sitzen stumm herum und ab und zu sagt jemand etwas.“ (Geoffrey Durham: Was glauben Quäker?, S.34)

Das ist eine Ansicht von außen auf ein „Meeting for Worship“, eine Quäker-Andacht. Und sie ist – aus dieser Perspektive gesehen – korrekt beschrieben. Doch was passiert, wenn ich in diesem Kreis Platz nehme, anwesend und Teil davon bin? Was erwarte ich mir, was erwarte ich von mir und was wird von mir erwartet? Was kann, was wird geschehen?

Nach meiner ersten Quäker-Andacht, die ich nicht gezielt gesucht, eher zufällig
entdeckt habe, wurde ich besorgt gefragt, ob mir diese Stunde in stiller Erwartung nicht zu lange vorgekommen sei? Nein, ist sie nicht. Ich fand es ungemein wohltuend, in Gesellschaft anderer Menschen einmal nichts sagen zu müssen, nicht etwas vorstellen zu müssen, nicht Worte wählen zu müssen, sondern in einem Zustand gefasster Ruhe abwarten zu können, ob Worte (oder „das Wort“?) zu mir finden, ob sich mir etwas mitteilen will, ob etwas danach drängt, gesagt zu werden.

Die Liturgie ist einfach: Die Andacht beginnt, wenn die erste Person den Raum betritt, Platz nimmt und in die Stille geht. Es wird zunächst nicht gesprochen. Die Anwesenden sind als Versammlung „gesammelt“, mal mehr, mal weniger, wenn sie ihre Alltagsgedanken beruhigen können und in die Stille finden, so wie es Meister Eckhart formuliert hat: „Suche dich selbst in der Stille, und wo du dich findest, da lass dich.“ In die Leere, wo das „Ich“ nicht mehr ist, kann das „Du“ eintreten, kann das „Innere Licht“ leuchten, der „Innere Christus“ sprechen, das „Göttliche“ sich offenbaren … oder wie auch immer man in der eigenen Vorstellung das Unbegreifliche und Unbenennbare zu benennen und zu begreifen versucht. Die Andacht endet ungefähr nach der vereinbarten Zeit (meist eine Stunde), wenn zwei vorab bestimmte „Älteste“ erkennen, dass sie beendet ist und sich zum äußeren Zeichen dafür die Hand reichen.

Robert Barclay (1648-1690) erlebte es so: „Denn als ich in die schweigenden
Andachten der Leute Gottes kam, fühlte ich eine geheime Macht unter ihnen, die mein Herz berührte; und wie ich mich dieser Macht allmählich hingab, spürte ich das Böse in mir schwächer werden und das Gute erstarken.“

Am Montag, den 17. Juni, findet im Gemeinderaum der Nazarethkirche,
Barbarossastraße 3 in Bogenhausen eine halbstündige „Quäker-Andacht für Nicht-Quäker“ statt. Anmeldung ist nicht erforderlich.

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